Unterschied. — Wenn in Europa einer benebelt aussieht und verwirrt redet, ohne doch gerade betrunken zu sein, sagt der Zuschauer böse: »Wahrscheinlich ein Säufer«, in Amerika ernsthaft besorgt: »He obviously needs psychiatric help.«

Max Horkheimer, Notizen 1950 bis 1969

Eine Welt. - Die barbarischen Strafen bei den Völkern, die heute hochkommen und mit denen man von gleich zu gleich verhandelt, sind symbolisch für das, was jetzt über Europa Macht gewinnt. Indem der Sinn für das Trennende geschwächt wird, nimmt auch der für die eigene Zivilisation ab (»für die Werte«, wie die Sonntagsredner sagen würden). Im 19. Jahrhundert hat sich in Europa eingeschliffen, daß selbst der schlimmste Mörder noch geheilt wird, die qualifizierte Todesstrafe war nicht nur abgeschafft, sondern unvorstellbar. Es war draußen, zeitlich und räumlich. Heute fliegen die Bürger in ein paar Stunden nach Saudiarabien, berichten in den Illustrierten über die wegen eines Diebstahls abgehackte Hand — und verhandeln weiter von gleich zu gleich. Das schlägt auf die eigene Mentalität, von Hitler und Franco schon aufgeweicht, zurück. Mit dem Kolonialismus, der die Abscheulichkeit wenigstens bloß nach außen trug und sich im Innern dafür die Zivilisation bewahrte, schwindet nicht bloß die Ideologie der Mission des weißen Mannes, sondern das geringe, das er dem Farbigen voraushatte. Die Quittung der Ungerechtigkeit dieser Zivilisation ist es, daß sie selbst verschwinden muß, sie geht an dem Grauen zugrunde, das sie einmal geduldet hat - und mit ihr der Abscheu vor dem Grauen, das ihr Kern — und ihr Stolz war. — Europäer sein hieß einmal: den Menschen achten.

Max Horkheimer, Notizen 1950 bis 1969

Glück ohne Verdienst. - Einer erbt viel Geld. Wie schön, daß er ohne »Verdienst« so im Leben gehalten wird, ohne Arbeit, ohne Schmerz! Da kreischen sie: »Wie ungerecht!« Ahnt ihr denn, daß dies das bißchen Gerechtigkeit ist, das auf dieser Welt übrigbleibt? Glück — ohne Verdienst?

Max Horkheimer, Notizen 1950 bis 1969

humansofnewyork:

These children are members of Iraq’s Yazidi minority, who are one of many minorities deemed expendable by ISIS militants. In the last few days, ISIS has moved into their villages and taken their homes. Tens of thousands of the villagers fled into a nearby range of mountains. Realizing this, ISIS circled the mountains with guns, blocked all the roads, and waited for them to die of thirst in the 120 degree heat. These children belonged to some of the families lucky enough to escape. While their parents were panicking about their relatives trapped in the mountains, these kids found a quiet place to play. I found them banging on some cans. I asked them what they were doing. “We’re building a car,” they said. 
"Isn’t that cute," I thought. "They’re imagining the cans are cars."

When I came back 5 minutes later, they had punctured holes in all four cans. Using two metal wires as axles, they turned the cans into wheels, and attached them to the plastic crate lying nearby. They’d built a car. (Dohuk, Iraq)

David und Goliath — heute. — Das Argument der Liberalen in den westlichen Ländern, man dürfe nicht dulden, daß die Aggressornation Israel die Früchte ihres Überfalls behalte; die Charta der UNO, das »Recht« müsse gewahrt bleiben, ist nicht bloß inhaltlich, sondern logisch ein Blendwerk. Über den Inhalt ist bloß die Masse der Zeitungsleser aufzuklären, und das sind freilich die meisten. Drei Jahre kleine Überfälle machen zusammen einen größeren aus als den Spaziergang, den das kleine Israel ins große Ägypten machte. Seine Kleinheit wird ihm angerechnet, wenn man den Willen der vielfachen Arabermillionen demokratisch moralisch gegen es ausspielt, den Willen Goliaths gegen den Davids, der Ärgernis gibt. Von den anderen kriegerischen Maßnahmen der ägyptischen Friedenswahrer, wie der Schließung des Suezkanals für Israel, gegen die Sanktionen zu verhängen keinem in den Sinn kam, braucht gar nicht die Rede zu sein. Logisch aber ist das Argument so brüchig, weil das Recht, das da gegen Israel angerufen wird, doch positives Recht sein soll und positives Recht eine Gewalt voraussetzt, die es gegen alle gleichermaßen wahrnimmt. Dem widerspricht schon der Begriff und ganz gewiß das Wesen der UNO, denn Interessen und nicht das Gesetz bestimmen den Willen der Interessenten, die hier zu Gericht sitzen. Soll aber statt des Rechts die Idee der Gerechtigkeit selbst zum Maßstab genommen werden, so reproduziert sich auf höherer Stufe, im Verkehr der Nationen, was in dem der Individuen gilt. Die Großen halten sich durch ihre Macht in Schach, das Recht zwischen ihnen ist der Vergleich, zu dem sie sich bereit finden nach dem Stand ihrer Kraft. Die Verzweiflung der Kleinen, die Gerechtigkeit in solchen Grenzen nicht finden können, stört den Vergleichszustand; die Taten, in denen sie sich ausdrückt, galten als Verbrechen. Dazu zählt im Leben der Völker heute der Krieg wie im Leben der Individuen die Gewalt; die Großen haben andere Mittel, den Reichtum und den Herrschaftsapparat. Der Krieg ist verboten, so lange, bis einer der wirklich Großen dahintersteht. Deshalb ist das Argument logisch nichts wert. Amerika kann den Bedrohungen von Seiten seiner Nachbarn, auch der etwas ferneren, leicht Herr werden, aber Israel darf es nicht. Gewaltlosigkeit gilt so lange als Gerechtigkeit, bis im Streit der Großen die Hegeische Lehre vom Weltgeist als Vollstrecker des Absoluten in Erscheinung tritt.

Max Horkheimer, Notizen 1950 bis 1969

psihoptice:

Kids line up for their weekly dose of fish oil, 1960.

(via welteinsammeln)

bag-of-dirt:

A French woman poses for a photograph with three American medics of the U.S. 45th Armored Medical Battalion, 3rd Armored Division, while helpfully sewing one of their torn uniforms. Near Coutances, Manche, Lower Normandy. 1 August 1944.

(via greatestgeneration)

whattheendoftheworldlookedlike:

London, 1940.

La Planète sauvage

(via fuckyeahillustrativeart)